Ein Jahr Goethe-Institut in Kinshasa

Goethe Institut in Kinshasa Bild vergrößern (© Goethe Institut) Die Leiterin des Goethe-Instituts (links oben) mit Teilnehmern eines Workshops für junge Musikerinnen und Musiker im September 2015 / Foto: Catherine Trautes 

Im April 2015 hat das Goethe-Institut in Kinshasa seine Arbeit aufgenommen. Im Interview erzählt die Leiterin Gitte Zschoch von den Projekten des Goethe-Instituts und Herausforderungen im ersten Jahr.

 

Frau Zschoch, Sie haben das Goethe-Institut neu gegründet. Wie blicken Sie ganz persönlich zurück auf dieses Jahr?

Gitte Zschoch: Die ersten Tage und Wochen waren sehr spannend; jeden Tag kamen Menschen ins Büro um sich zu informieren und sich vorzustellen. Mein Ziel war am Anfang, die kulturelle Szene kennenzulernen. Also bin ich auf so viele wie mögliche Veranstaltungen gegangen, habe mich bei Kulturinstitutionen vorgestellt, war bei Festivals in  Goma und Lubumbashi. Ich war sehr überwältigt von der Offenheit und der Energie, die mir kongolesische Künstler und Kulturakteure entgegengebracht haben. Jetzt geht es darum, gezielt Projekte zu entwickeln, von denen beide Seiten profitieren.

 

Welchen Schwierigkeiten sind Sie im ersten Jahr begegnet?

Zum Glück waren die meisten Formalitäten bereits bei meiner Ankunft geregelt: Der Mietvertrag war unterschrieben, das Büro eingerichtet und den Laptop hatte ich im Handgepäck dabei. Schwierigkeiten bereitete aber zum Beispiel, den Finanzfluss sicherzustellen: Um ein lokales Konto zu eröffnen, muss der rechtliche Status feststehen. Darüber wird aber noch verhandelt. Schließlich fanden wir eine Bank mit einem deutschen Geschäftsführer, und es war nicht mehr ganz so schwierig.

 

Das Goethe-Institut in Kinshasa ist ein Verbindungsbüro. Was heißt das genau?

Als Verbindungsbüro sind wir eine Art Satellit, ein kleines Büro, das sehr flexibel auf die Gegebenheiten vor Ort reagieren kann. Während der ersten zwei Jahre unserer Präsenz geht es darum, die kulturelle Szene kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln. Danach wird der Standort evaluiert und entschieden, ob und wenn ja in welcher Form wir uns hier niederlassen.

Verbindungsbüro heißt auch, dass wir uns vorerst auf den kulturellen Austausch konzentrieren und keine Sprachkurse anbieten. Das kann später dazukommen, wenn wir Bedarf sehen.

 

Was ist die Aufgabe des weltweiten Goethe-Instituts?

Unsere Aufgabe kann man sehr gut in drei Worten darstellen: Sprache, Kultur Deutschland. Wir fördern die Kenntnis der deutschen Sprache im Ausland – wie gesagt, das trifft auf den Kongo im Moment nicht zu –, setzen uns für die internationale kulturelle Zusammenarbeit ein und wir vermitteln ein aktuelles Deutschlandbild.

 

Was genau bedeutet kultureller Austausch?

Wir möchten kongolesische und deutsche Kulturschaffende zusammenbringen, um gemeinsam zu arbeiten, um voneinander Inspiration zu bekommen, um zu diskutieren. Das funktioniert gut, wenn die Künstler länger vor Ort bleiben. Deswegen laden wir zwei Künstlerinnen für eine dreiwöchige Residenz ein. Aber wir wollen ebenfalls gezielt Projekte auf die Beine stellen, die auf die Bedarfe der kongolesischen Kulturszene reagieren und dazu beitragen, ihre Akteure auszubilden und zu qualifizieren. Und zwar nicht nur in Kinshasa, sondern wir sind für das gesamte Land zuständig.

 

Was sind Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Wir bereiten gerade ein Elysée-Projekt mit dem Institut français zum Thema Zukunft vor. Im November stehen Wahlen an – ein guter Zeitpunkt, die Frage zu stellen: „Wie stellen sich Künstlerinnen und Künstler die Zukunft vor?“ Es gibt eine Ausstellung, eine Filmreihe, Podiumsdiskussionen und einen Social-Media-Wettbewerb.

Bildende Kunst wird sicher zum Schwerpunkt werden. Wir haben gerade zusammen mit KinArt Studio die erste Ausstellung eines jungen Künstlers in der Mobile Art Gallery eröffnet. 2016 wird dieser kleine White Cube in vier verschiedenen Stadtteilen aufgebaut werden und junge Künstlerinnen und Künstler präsentieren. Und zusammen mit der Académie des Beaux-Arts planen wir ein Residenzprogramm zum Thema „Urbaner Raum“.

Die Rumba congolaise hat in den vergangenen Jahrzehnten auf den ganzen afrikanischen Kontinent ausgestrahlt. Überall gibt es Musikerinnen und Musiker und man hört in vielen Bars Live-Musik, dabei sind von Klassik bis zu Folk so gut wie alle Genres vertreten. Deswegen werden wir auch zur Musik arbeiten; im letzten Jahr haben wir mit dem Workshop „Schritte zu einer professionellen Musiker-Karriere“ den Anfang gemacht. Jetzt überlegen wir, wie wir Manager besser unterstützen können.

 

Zu guter Letzt: Wo befindet sich das Institut?

Wir haben ein kleines Büro im Institut français de Kinshasa (Halle de la Gombe) gemietet. In der dortigen Mediathek befindet sich auch ein kleiner Bestand an deutscher Literatur in französischer Übersetzung sowie Materialien zum Deutschlernen.  Jeden Monat zeigen wir am „Deutschen Dienstag“  einen deutschen Film mit französischen Untertiteln.

Sie finden uns aber auch im Internet, wo man sich für den Newsletter anmelden kann. Und auf Facebook informieren wir aktuell über unser Programm.

 

Das Goethe-Institut ist das weltweit tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland. Wir fördern die Kenntnis der deutschen Sprache im Ausland und pflegen die internationale kulturelle Zusammenarbeit. Weltweit gibt es 159 Institute in 94 Ländern, davon 13 Institut und zwei Verbindungsbüros in Subsahara-Afrika.

 

 

Links

Goethe-Institut Kinshasa https://www.goethe.de/Kinshasa

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