Europäische Identität sichtbar machen

Wartburg Bild vergrößern Wartburg (© REGIERUNGonline/Reineke) Gelegentlich wird der Europäischen Union vorgeworfen, ein Elitenprojekt zu sein oder im Leben und Denken der Europäer keine Rolle zu spielen. Diese Vorwürfe sind nicht neu, verstärkten sich aber im Verlauf der Euro-Krise wieder. Ein neues Projekt zur Stärkung des Zugehörigkeitsgefühls und der Identität der europäischen Bürger ist das „Europäische Kulturerbe-Siegel.“ Mit dem Siegel werden Stätten ausgezeichnet, die symbol- und beispielhaft für die europäische Einigung sowie für die Ideale und die Geschichte Europas und der Europäischen Union stehen. Sie vermitteln dabei die gemeinsamen Grundsätze von Freiheit, Demokratie, kultureller Vielfalt, Toleranz und Solidarität und stärken die europäische Identität. Durch gemeinsamen Beschluss des Europäischen Parlaments und des Rates trat die Maßnahme Ende November 2011 in Kraft.

Das Europäische Kulturerbe-Siegel wurde 2006 als zwischenstaatliche Initiative u.a. von Frankreich und Spanien gegründet, um dem Gedanken eines vereinten Europas stärkere Sichtbarkeit zu verleihen. Deutschland ist dort seit Dezember 2010 mit den Verbünden „Stätten der Reformation“ und „Stätten des Eisernen Vorhangs“ beteiligt. Im Mai 2011 billigte der Kulturministerrat die Umwandlung des Kulturerbe-Siegels in eine Maßnahme der Europäischen Union. Nach der Zustimmung des Europäischen Parlaments trat die Maßnahme am 23. November 2011 in Kraft. Ab 2013 können u.a. Kulturdenkmäler, archäolo­gische Stätten, Kulturlandschaften oder Gedenkstätten ausgezeichnet werden, die für die euro­päische Geschichte und Kultur sowie für den europäischen Einigungsprozess als überragend bedeutsam eingestuft werden. Besonders Deutschland hatte sich erfolgreich dafür eingesetzt, dass auch thematisch miteinander verbundene Stätten sich gemeinsam für das neue Siegel bewerben können. Die Stätten der bisherigen Initiative müssen ab 2013 die selben Kriterien erfüllen und müssen sich erneut bewerben. Sie werden ab 2014 gesondert geprüft.

Fahne der Europäischen Union Bild vergrößern (© picture-alliance/ dpa) Beim Europäischen Kulturerbe-Siegel handelt es ausdrücklich nicht um eine Konkurrenz zum UNESCO Weltkulturerbe oder den Kulturrouten des Europa-Rats. Denn die Auswahl erfolgt nur nach dem symbolischen Wert der Stät­ten, nicht aufgrund der Schönheit oder architektonischen Qualität. Eine maßgebliche Rolle spielt die päd­agogische Dimension, vor allem der angestrebte verbesserte Zugang junger Menschen zur Ge­schichte und Kultur Europas. In diesem Sinne äußerte sich Staatsministerin Pieper nach dem Beschluss des Kulturministerrats im Mai: „Ich freue mich, dass mit dem Siegel insbesondere auch junge Menschen erreicht werden sollen. Für sie wird europäische Identität so erlebbar und anschaulich.“

Jeder der beteiligten Mitgliedstaaten kann alle zwei Jahre maximal zwei Stätten für das Siegel vor­schlagen. Diese Vorschläge werden anschließend von einer unabhängigen Expertenjury be­wertet, die höchstens eine Stätte pro Land für das Siegel empfehlen kann.

© Auswärtiges Amt

Europäisches Kulturerbe-Siegel

Europäisches Kulturerbesiegel

Seite der Europäischen Kommission - Kultur

Europäisches Kulturerbe-Siegel